Klaus Huber: Vom Rückzug und vom Loslassen – Frühlingsgedanken am Dachsbuckel
- 26 Feb 2026
- Klaus Huber

Es ist einer jener Februartage, an denen der Winter noch nicht loslassen will, aber in der Luft bereits etwas anderes liegt. Ein Versprechen vielleicht. Ich habe die große Freude, Klaus Huber heute zum Kaffee am Dachsbuckel besuchen zu dürfen – in seinem Refugium, wo die Gedichte entstehen, die so viele Menschen berühren.
Der bald 80-Jährige ist in diesen Wochen sehr eingekehrt. Nicht verschlossen, aber nach innen gewandt. Die Welt da draußen mit ihrem Lärm hat er ein Stück weit hinter sich gelassen. Und doch: Wer ihm gegenübersitzt, spürt, dass diese Stille keine Leere ist. Sie ist gefüllt mit Gedanken, mit Reifung, mit dem stillen Arbeiten an dem, was bleibt.
Das erste Gedicht liest sich wie ein sanftes Bekenntnis. Klaus Huber beschreibt, was viele von uns insgeheim kennen: das tiefe Bedürfnis nach einer eigenen Welt, in der wir ganz bei uns sein dürfen.
Bedürfnis
Ich lebe gern in meiner Welt,
die mich im Grund am Leben hält.
Hierbei ziehe ich mich jäh zurück,
empfinde in ihr stets mein Glück,
genieße in ihr jede Stund'
und werde innerlich gesund
– bis ich dann Kräfte schöpfe neu,
doch bleib' ich meinem Sehnen treu.
Es ist kein Gedicht der Flucht, sondern eines der Selbstfürsorge. Der Rückzug, von dem Huber spricht, ist kein Aufgeben, sondern ein Auftanken. In der Stille der eigenen Welt findet er jene Gesundheit, die keine Medizin verschreiben kann.
Das zweite Gedicht schlägt einen anderen, pragmatischeren Ton an – und ist doch nicht weniger tiefgründig. Klaus Huber spricht hier von einer Aufgabe, die viele vor sich herschieben: dem Entrümpeln. Dem Loslassen dessen, was wir angesammelt haben.
Rechtzeitige Überlegung
Wichtig wird es, nicht zu säumen
und beizeiten das zu räumen,
was die nach uns, statt zu horten,
zur Verwendung andererorten
für Menschen mit ihren Sorgen
weitergebend gern entsorgen.
Von so vielem dann befreit,
schätzen wir – als Gabe – Raum und Zeit.
Was zunächst wie ein praktischer Ratschlag klingt, entpuppt sich als Lebensweisheit. Huber mahnt uns, „rechtzeitig" zu handeln – nicht erst dann, wenn andere nach uns aufräumen müssen. Das Loslassen wird zur Gabe an die Nachkommenden und zugleich zur Befreiung für uns selbst.
Während ich meinen Kaffee austrinke und Klaus Huber zuhöre, fällt mein Blick durch das Fenster. Die Bäume am Dachsbuckel stehen noch kahl, aber vereinzelt zeigen sich erste Knospen. Der Frühling ist nicht mehr fern.
Und genau das spürt man auch in diesen Gedichten. Sie sind geboren aus der Stille des Winters, aus dem Rückzug und der Einkehr. Aber sie tragen bereits den Keim des Aufbruchs in sich. Das „Kräfte schöpfen neu", der „Raum und Zeit" als Gabe – all das weist nach vorne, ins Licht, ins Leben.
Klaus Huber mag in diesen Tagen eingekehrt sein. Aber wer genau hinhört, vernimmt bereits das Frühlingserwachen in seinen Versen. Und das macht Hoffnung – nicht nur für den Dichter vom Dachsbuckel, sondern für uns alle.
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